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Unternehmensanleihen professionell auswählen: Der Value-Ansatz in der Praxis

03.12.2025
5 Min. Lesezeit
Wie wählen Profis Unternehmensanleihen aus? Gläubigerperspektive, Value-Prinzip und Kauf unter Nennwert: So funktioniert der Value-Ansatz bei Genève Invest.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein hoher Kupon ist kein Qualitätsmerkmal. Er ist in den meisten Fällen ein Risikoaufschlag, den Anleger kritisch hinterfragen sollten.
  • Professionelle Anleihenauswahl beginnt mit einem Perspektivwechsel: Als Gläubiger interessiert nicht Wachstum, sondern die Überlebensfähigkeit des Emittenten.
  • Ratings sind Momentaufnahmen. Sie ersetzen keine eigene, kontinuierliche Bonitätsanalyse.
  • Breite Diversifikation über Emittenten, Sektoren und Laufzeiten ist bei Anleihen kein Komfort, sondern strukturelle Notwendigkeit.

Stellen Sie sich zwei Unternehmensanleihen vor. Gleicher Zinssatz. Gleiche Laufzeit. Gleiche Währung. Auf den ersten Blick identisch. In der Praxis können die Risiken, die hinter diesen beiden Papieren stecken, grundverschieden sein. Eines der Unternehmen wirtschaftet profitabel, trägt wenig Schulden und hat ausreichend Liquidität, um seine Verpflichtungen über Jahre hinaus zu erfüllen. Das andere bietet denselben Zinssatz, weil es Investoren anders nicht überzeugen kann.

Wer nur auf die Zinszahlung schaut, übersieht das Wesentliche. Die Auswahl entscheidet über Erfolg oder Misserfolg beim Investieren in Unternehmensanleihen, also in festverzinsliche Wertpapiere von Unternehmen, die im Schweizer Sprachraum auch als Obligationen bekannt sind. In diesem Artikel erkläre ich, wie Genève Invest bei der Auswahl vorgeht, welche Kriterien wirklich zählen und warum der Value-Ansatz einen grundlegend anderen Blick auf diese Anlageklasse erfordert.

Als Gläubiger denken, nicht als Aktionär

Der wichtigste Schritt bei der professionellen Anleihenauswahl ist kein technischer, sondern ein mentaler. Wer Unternehmensanleihen kauft, ist kein Miteigentümer. Er ist Gläubiger. Und diese Unterscheidung verändert alles.

Warum die Gläubigerperspektive entscheidend ist

Als Aktionär interessiert mich die Frage: Kann dieses Unternehmen wachsen? Kann der Kurs steigen? Als Gläubiger stelle ich eine andere Frage: Wird dieses Unternehmen in fünf Jahren noch existieren und seine Schulden bezahlen können?

Das klingt einfacher, ist aber eine fundamental andere Analyseperspektive. Ein Unternehmen kann einen spektakulären Wachstumskurs fahren und trotzdem ein schlechter Schuldner sein, weil Expansion oft mit steigender Verschuldung einhergeht. Umgekehrt kann ein Unternehmen, das an der Börse wenig aufregend wirkt, ein hervorragender Emittent sein, weil es planbar wirtschaftet, stabile Cashflows generiert und seine Verpflichtungen zuverlässig erfüllt.

Was das konkret für die Auswahl bedeutet

In der Praxis bedeutet das: Wir suchen keine aufregenden Unternehmen. Wir suchen verlässliche Schuldner. Unternehmen mit stabilen Umsätzen, überschaubarem Verschuldungsgrad, ausreichend Liquidität für die nächsten Fälligkeiten und einem Management, das seine Finanzstruktur versteht. Was für einen Aktienanleger langweilig klingt, ist für uns ein Qualitätsmerkmal.

Warnzeichen sind das genaue Gegenteil: aggressive Expansion mit steigendem Schuldenberg, Gewinnwarnungen, die aus dem Nichts kommen, angekündigte Refinanzierungen in einem schwierigen Marktumfeld, Managementwechsel in der Führungsetage ohne klare Begründung. Für einen Aktionär sind manche davon vielleicht eine interessante Wachstumsstory. Für uns als Gläubiger sind sie Warnsignale.

Das Value-Prinzip bei Unternehmensanleihen

Value Investing ist kein Begriff, den die meisten Menschen zuerst mit Anleihen verbinden. Und doch liegt genau hier ein Kern des Genève-Invest-Ansatzes.

Was bedeutet eine Anleihe „unter Nennwert“ kaufen?

Am Anleihenmarkt gibt es regelmäßig Situationen, in denen Papiere unter ihrem Nennwert gehandelt werden. Das geschieht aus verschiedenen Gründen: Der Emittent ist wenig bekannt, die Anleihe ist dünn gehandelt, das Marktumfeld ist nervös, oder ein negativer Nachrichtenzyklus hat den Kurs gedrückt, ohne die tatsächliche Kreditqualität des Unternehmens wesentlich zu verändern.

Beispiel: Kauf zu 92 Prozent des Nennwerts

Wenn wir eine Anleihe zu 92 Prozent des Nennwerts kaufen, erhalten wir bei Fälligkeit 100 Prozent zurückgezahlt, zusätzlich zu den laufenden Zinszahlungen. Das ist ein rechnerischer Mehrertrag gegenüber dem Kupon. Vereinfacht, ohne Berücksichtigung von Restlaufzeit, Kosten, Steuern und Stückzinsen. Der Mehrertrag setzt voraus, dass der Emittent zum Nennwert zurückzahlt.

Welche Anleihen kommen für uns grundsätzlich in Frage?

Als Kaufkandidaten kommen für uns vor allem Anleihen mit einem guten Risiko-Ertrags-Verhältnis infrage. Das bedeutet konkret: Das Papier bietet eine höhere Rendite als vergleichbare Emittenten mit ähnlichem Risikoprofil, oder bei gleicher Rendite ein niedrigeres Risiko. Beides läuft auf dasselbe Prinzip hinaus: Wir zahlen weniger, als das Papier wert ist.

Häufig gestellte Fragen zum Value-Ansatz bei Anleihen

Was ist das Value-Prinzip bei Unternehmensanleihen?

Das Value-Prinzip bezeichnet den gezielten Kauf von Anleihen, die höhere Renditen bieten als vergleichbare Emittenten bei gleichem Risiko, oder bei gleicher Rendite ein niedrigeres Risikoprofil aufweisen. Kauft man eine Anleihe unter ihrem Nennwert, entsteht bei Fälligkeit ein rechnerischer Mehrertrag. Darüber hinaus werden Bewertungsverschiebungen zwischen Emittenten derselben Branche aktiv genutzt, um das Portfolio zu optimieren.

Warum reichen Ratings allein nicht für die Anleihenauswahl aus?

Ratings sind Momentaufnahmen, die auf dem Informationsstand der jeweils letzten Analyse beruhen. Zwischen zwei Bewertungszyklen können sich Cashflow, Verschuldungsgrad und Refinanzierungssituation eines Emittenten erheblich verändern, ohne dass das Rating dies sofort widerspiegelt. Eine eigene, laufende Bonitätsanalyse zentraler Kennzahlen ist deshalb unerlässlich und kann Risiken frühzeitig sichtbar machen.

Wie viele Anleihen braucht ein gut diversifiziertes Portfolio?

Ein solides Anleiheportfolio sollte aus mindestens 20 bis 30 verschiedenen Titeln bestehen. Professionell verwaltete Portfolios sind deutlich breiter aufgestellt. Bei Genève Invest verteilt sich rund die Hälfte des in Anleihen investierten Kapitals der Kunden auf mehr als 300 verschiedene Titel, verteilt über Emittenten, Sektoren, Regionen und Laufzeiten.

Im vollständigen Beitrag

Die PDF-Ausgabe beschreibt den gesamten Auswahlprozess mit allen weiteren Schritten:

  • Bewertungsverschiebungen innerhalb einer Branche gezielt nutzen
  • Emittentenanalyse: Welche Finanzkennzahlen wirklich zählen
  • Warum wir vor größeren Investments mit dem Management sprechen
  • Diversifikation als strukturelle Schutzschicht: Emittenten, Laufzeiten und Regionen
  • Laufendes Monitoring: Warum Kaufen und Liegenlassen nicht funktioniert
  • Was das aktuelle Marktumfeld 2026 für die Auswahl bedeutet
  • Fazit und weitere häufige Fragen

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Marketingkommunikation. Keine Rendite- oder Kapitalgarantie. Kapitalanlagen unterliegen Risiken (u. a. Markt-, Zins-, Kurs-, Ausfall- und ggf. Währungsrisiken). Vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft. Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar.

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